Jungengruppe

Wir malen uns selbst

Für die Entwicklung der eigenen Identität als Junge ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, was »Jungesein « eigentlich bedeutet, sowohl für einen selbst, als auch für andere Jungen und Mädchen beziehungsweise Männer und Frauen. Unsere Jungengruppe bietet den Rahmen dazu durch die Möglichkeit zur Selbsterfahrung und zum Erlernen alternativer Verhaltensweisen als Junge, ohne dafür verurteilt oder abgewertet zu werden. Innerhalb der Jungengruppe können die Jungen Vertrauen auch zu den anderen Jungen entwickeln. Jungen treten in sozialen Einrichtungen, wie der Schule, häufig als Gruppe auf, daher bietet sich in der Grundschule die Arbeit mit Jungengruppen geradezu an.

Die Jungenstunde

Ein Beispiel: Die Jungen sehen das Bilderbuch »Was machen die Jungs« von Nikolaus Heidelbach und fragen, was der jeweilige Junge auf dem Bild wohl gerade macht. Erst danach lesen die Jungen den Text. Zu manchen Bildern unterhalten sich die Kinder genauer, wie es ihnen wohl dabei gehen würde, wenn sie auf ihren Papa warten oder wovor sie »Schiss« haben. Anhand des Bilderbuches können die Jungen verschiedene Arten von »Junge-Sein« erfahren und Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen sich und den Jungen aus dem Bilderbuch erkennen. Anschließend unterhalten wir uns darüber, was sie selber gerne machen. Meistens Fußball spielen, Fernsehen, am Computer oder mit Freunden spielen. Jeder Junge malt ein Bild mit dem, was er gerne macht.

Gefühle wahrnehmen

Die Wahrnehmung der Gefühle, sowohl der eigenen, als auch die der anderen, ist ein zentraler Aspekt der Arbeit mit Jungen. Heute geht es um das Gefühl Wut. Zufällig bin ich gerade über etwas verärgert und mir ist dies deutlich anzusehen. Ich frage die Jungen, woran sie erkennen können, dass ich verärgert beziehungsweise wütend bin. Sie beschreiben mein Gesicht und ich erzähle ihnen, worüber ich wütend bin. Danach fragte ich die Jungen, woran ich bei ihnen sehen kann, dass sie wütend sind. Jeder macht ein wütendes Gesicht. Da die Wut ja nicht nur im Gesicht zu sehen ist, bitte ich die Jungen, die Wut mit ihrem ganzen Körper auszudrücken. Zuerst zeigt die ganze Gruppe ihre Wut und anschließend darf jeder Junge noch einmal alleine zeigen, wie seine Wut aussieht. Davon mache ich Fotos, die wir uns hinterher ansehen.

Danach entscheiden die Jungen, was sie jetzt unternehmen möchten. Die Themenauswahl für die Jungengruppe treffe ich in Absprache mit ihrer Lehrerin und berücksichtige die aktuelle Situation und die Interessen der Jungen.