Jungengruppe

Wir malen uns selbstSascha Denzel ist Erzieher und hat eine Zusatzausbildung zum Gewaltpädagogen und im Bereich Jungenarbeit gemacht. Seit mehreren Jahren beschäftigt er sich mit Jungen und der Arbeit mit ihnen. Als Erzieher unserer Schule übernimmt er bei uns einige Initiativen zur Jungenarbeit und unterstützt die Lehrer und Eltern in ihren erzieherischen Prozessen.

Jungen aus der Vorschule

Sieben ziemlich aufgeregte Jungen kommen jeden Montag in der dritten Stunde zu mir in die Bücherei. Sie reden alle durcheinander, weil jeder mir etwas Wichtiges mitteilen möchte – das können Erlebnisse vom Wochenende sein, oder dass einer der Jungen krank ist. Damit dieses Mitteilungsbedürfnis und die Beziehungsaufnahme für diese Stunde ihren Raum bekommen, ist eine Ankommensrunde wichtig. Jeder erzählt kurz, wie es ihm geht und was er in der letzten Woche erlebt hat. Danach frage ich immer, wie es in der Klasse läuft und ob es Konflikte oder Probleme gab. Anschließend spielen wir ein Bewegungsspiel. Die Ankommensphase ist nicht immer einfach, wenn die Jungen mit Konflikten aus der Pause oder der letzten Stunde kommen. Manchmal sind sie so präsent , dass sie erst geklärt werden müssen, bevor wir beginnen können. Für die Entwicklung der eigenen Identität als Junge ist es wichtig, sich damit auseinanderzusetzen, was »Jungesein « eigentlich bedeutet, sowohl für einen selbst, als auch für andere Jungen und Mädchen beziehungsweise Männer und Frauen. Unsere Jungengruppe bietet den Rahmen dazu durch die Möglichkeit zur Selbsterfahrung und zum Erlernen alternativer Verhaltensweisen als Junge, ohne dafür verurteilt oder abgewertet zu werden. Innerhalb der Jungengruppe können die Jungen Vertrauen auch zu den anderen Jungen entwickeln. Jungen treten in sozialen Einrichtungen, wie der Schule, häufig als Gruppe auf, daher bietet sich in der Grundschule die Arbeit mit Jungengruppen geradezu an.

Die Jungenstunde

Ein Beispiel: Ich zeige das Bilderbuch »Was machen die Jungs« von Nikolaus Heidelbach und frage sie, was der jeweilige Junge auf dem Bild wohl gerade macht. Erst danach lese ich ihnen den Text vor. Zu manchen Bildern frage ich genauer nach, wie es ihnen wohl dabei gehen würde, wenn sie auf ihren Papa warten oder wovor sie »Schiss« haben. Anhand des Bilderbuches können die Jungen verschiedene Arten von »Junge-Sein« erfahren und Ähnlichkeiten und Unterschiede zwischen sich und den Jungen aus dem Bilderbuch erkennen. Anschließend unterhalten wir uns darüber, was sie selber gerne machen. Meistens Fußball spielen, Fernsehen, am Computer oder mit Freunden spielen. Jeder Junge malt ein Bild mit dem, was er gerne macht. Das hefte ich zusammen, so dass wir ein eigenes Bilderbuch haben.

Gefühle wahrnehmen

Die Wahrnehmung der Gefühle, sowohl der eigenen, als auch die der anderen, ist ein zentraler Aspekt der Arbeit mit Jungen, den ich immer wieder aufgreife. Heute geht es um das Gefühl Wut. Zufällig bin ich gerade über etwas verärgert und mir ist dies deutlich anzusehen. Ich frage die Jungen, woran sie erkennen können, dass ich verärgert beziehungsweise wütend bin. Sie beschreiben mein Gesicht und ich erzähle ihnen, worüber ich wütend bin. Danach fragte ich die Jungen, woran ich bei ihnen sehen kann, dass sie wütend sind. Jeder macht ein wütendes Gesicht. Da die Wut ja nicht nur im Gesicht zu sehen ist, bitte ich die Jungen, die Wut mit ihrem ganzen Körper auszudrücken. Zuerst zeigt die ganze Gruppe ihre Wut und anschließend darf jeder Junge noch einmal alleine zeigen, wie seine Wut aussieht. Davon mache ich Fotos, die wir uns hinterher ansehen.

Sascha DenzelDas macht uns allen viel Spaß. Das Thema einer der nächsten Einheiten wird sein: Was mache ich, wenn ich wütend bin?

Danach entscheiden die Jungen, was sie jetzt unternehmen möchten. Im Moment spielen sie gerne mit der Ritterburg. Die Themenauswahl für die Jungengruppe treffe ich in Absprache mit ihrer Lehrerin und berücksichtige die aktuelle Situation und die Interessen der Jungen.